Gedanken zur Fliegenfischerei 

Diese Rubrik ist neu. Ich werde hier in unregelmäßigen Abständen Beiträge zu Themen der Fliegenfischerei veröffentlichen.  

Ungeordnet, kritisch und auch an und ab kontrovers zu den üblichen Meinungen rund um unsere Passion.  

 

 

Wer soll das alles kaufen? 

Nun sind sie wieder da . Die Hochglanzkataloge der auf das Fliegenfischen spezialisierten Händler. Verunsichert und verwundert studiere ich diese Fülle an Ausrüstungsgegenständen die hier feilgeboten werden. Brauche ich das wirklich alles? 

Jede Menge Neuigkeiten zu horrenden Preisen. Alles Produkte die den Fangerfolg vergrössern. So versucht man es wenigstens darzustellen. Und bei dem noch unsicheren Anfänger klappt das wohl auch sehr gut.

Alte Hasen wissen, dass der Fangerfolg nur in geringen Maße von der verwendeten Marke abhängt. Mit der richtigen Ausrüstung zur richtigen Zeit am richtigen Platz, das -so wurde mir in vielen Gesprächen von Könnern bestätigt-ist der Schlüssel zum Fangerfolg.

Das bedeutet raus ans Wasser und versuchen das Geschehen am und im Wasser richtig zu deuten. Ein schwieriges und langwieriges Unterfangen das mit vielen Fehldeutungen einhergeht. Und das zu jeder Jahreszeit. Und im Laufe der Jahre wird man dann feststellen, dass weniger oft mehr ist. Man braucht nicht viel: Eine gute Rute mit passender Schnur, eine gute Rolle mit etwas Backing, einige Standardfliegen, etwas Vorfachmaterial und einen Kescher,schon kann`s losgehen. 

Das Wasser bestimmt die Ausrüstung, das Vertrauen in die Fliege oder die Nymphe bringt den Fangerfolg. Man kann den ganzen Tag damit verbringen neue und andere Fliegen anzubinden. Oder man bleibt bei seinem Standardmuster und versucht diese Fliege optimal anzubieten. Einige Muster in unterschiedlichen Größen reichen.

Wenn man viel Geld ausgeben kann, bitte. Einige Tausend Euro kann man spielend in eine Ausrüstung investieren. Kann, muss man aber nicht. Es geht auch für kleines Geld.  

Viel wichtiger scheint mir, ist es sein Geld in ein gut besetztes Gewässer zu investieren. Die gibt es aber nicht im Katalog!


Ist lang gut ?

Zu Zeiten der gespließten Ruten war bei einer Rutenlänge von etwa 9 Fuss für Einhandruten Schluss. Die Teile wurden einfach zu schwer. Die wenigsten Nutzer verfügten über die Muskulatur um damit einige Stunden zu fischen. Gespließte Zweihandruten waren richtige Schwergewichte die dem Nutzer schon einiges abverlangten.

Glasfaser erlaubte dann mit der Verbreitung der Hohlglasfaserruten erstmals die Prduktion von leichtgewichtigeren Ruten. Aber erst mit der Kohlefasertechnologie war es möglich Ruten mit 9 Fuss Länge unter 100 Gramm zu bauen. Erstaunlich dass die Ruten nicht länger wurden.

Erst in den letzten Jahren haben die großen Rutenhersteller reagiert und bieten längere Modelle an.

Hapsächliches Argument: Besseres Line-Management!

Dem kann ich nur zustimmen. Mit einer längeren Rute ist die Schnurkontrolle wesentlich einfacher. Aber nicht nur das: Grössere Wurfweiten und ein spielerisches Überwerfen von Hindernissen im Rückraum kommen in der Praxis als weitere positiven Aspekte mit hinzu.

Ich verwende aus Überzeugung seit einigen Jahren Einhandruten mit 10 bis 11,5 Fuss.

Und neuerdings eine Switch Rute mit fast 12 Fuss.

Ein Gedicht, diese langen Ruten!
 

Wenn ich Sie noch nicht überzeugen konnte, fragen Sie doch mal einen Stippfischer warum er keine 2,40 Meter lange Rute verwendet.

 


Warum mit der Fliege ?

Das ist eine Frage deren Beantwortung wohl sehr eng mit dem Temperament des Befragten gekoppelt ist.

Es gibt Menschen die gerne mit der Seibahn einen Berg erklimmen. Das ist sehr weit verbreitet und ohne große Einschränkung fast allen möglich.

Dann gibt es den Typus des Wanderers der schon etwas körperliche Beanspruchung akzeptiert um auf den Berg zu kommen.

Und der Dritte Typus ist dann der Kletterer, der dann auch schon mal Gefahren akzeptiert um auch noch den letzten Höhenmeter zu bewältigen.

Eine ähnliche Klassifizierung könnte man auch bei den Anglern /Fischern anwenden.

Der Typ „Seilbahn“ dürfte der verbreiteste Typus sein. Und prägt damit auch das Bild des Anglers in der Öffentlichkeit.Zwei Ruten vor sich, bequem im Sessel auf den Fisch wartend.

Der Wanderer unter den Anglern ist der aktive Typ der meist mit der Spinnrute unterwegs ist. Er ist aber prozentual nicht so häufig wie der Bergwanderer.

Die dritte Gruppe sind dann die Fliegenfischer. Meist mit Wathosen im Fluss stehend gehen Sie ihrer Passion nach. Die Bereitschaft ein Risiko einzugehen ( Watfischen ist schon mit Risiken verbunden ) ist vorhanden. Dies Gruppe ist die absolute Minderheit in der Welt der Angler / Fischer. Angeblich gibt es in der BRD etwa 4 Millionen Angler. Der Anteil der Fliegenfischer dürfte aber bei nur max. 40000 liegen.

Also welcher Typus sind Sie?

Ich würde mal vermuten, dass Sie sich zu dem Typ 3, also zu den Fliegenfischern zählen.

Ihnen ist es zuwider sich stundenlang in den Sessel zu setzen und auf einen Biss zu warten. Sich dort hin zu setzen weil dort viele Andere auch sitzen oder gestern saßen. Sie brauchen Bewegung und Sie bestimmen das Tempo.Sie suchen gerne und suchen auch das Neue, die Herausforderung etwas anders zu machen. Damit erfüllen Sie eigentlich das Anforderungsprofil an einen Fliegenfischer.

Das beantwortet aber nicht die Ausgangsfrage: Warum mit der Fliege? Ich meine man kann die meisten Fischarten mit dem Wurm fangen. Ein natürlicher Köder der wahrscheinlich seit Menschengedenken verwendet wird. Und dem Fisch dürfte es wohl egal sein welcher Hakentyp ihm den Schmerz verursacht.

Ein standesbewusster Fliegenfischer würde hier ein kunstvoll gebundenes „Terrestrial“an sein Vorfach binden und damit versuchen den Fisch zum anbeissen zu verleiten. Er - der Fliegenfischer- imitiert also die Natur.Bei der Auswahl der Materialien für seinen Kunstwurm achtet er penibel darauf Materialien und Bindetechniken zu verwenden die in ihrer Gesamtheit ein möglichst gutes Dublikat ergeben. Nur das Teil rührt sich noch nicht und riechen tut es auch nicht.

Nun, das mit dem Geschmack oder Geruch kann man durch Aromen hinkriegen. Das ist nicht so schwierig. Für das Thema Bewegung ist schon einiges an Anbiettetechnik notwendig. Diese zu erlernen erfordert schon einiges an Ausdauer und einen guten Lehrer.

Aber das beantwortet ja immer noch nicht die Frage warum mit der Fliege. Ich glaube, eine Frage die mir die Frau eines Kursteilnehmers vor etlichen Jahren gestellt hat, kommt der Antwort ziemlich nahe : "Wieviele Fliegenfischer gibt es eigentlich?" Etwa 25000 in Deutschland. "Das sind ja wesentlich weniger als es Golfer gibt!" Richtig elitär der Sport ! Die Dame war die Frau eines Professors.


Also ein Sport für die Elite? Früher, als das Fliegenfischen fast ausnahmslos vom Adel betrieben wurde ( die Ländereien durch die die Flüsse flossen gehörten nun mal den Aristokraten ) war dies sicherlich zutreffend. Heute sieht das Szenario etwas anders aus. Die gut verdienende Mittelschicht - Anwälte, Ärzte, Manager u.ä. - sind heute sehr häufig unter den Fliegenfischern. Eine gut betuchte Schicht, die sich das Hobby etwas kosten lassen. Und denen es auch keine Opfer abverlangt wenn sie von allen geschröpft werden. Geräte und Ausrüstung, Lizenzen, Hotels, Kurse , Fachzeitschriften etc. alles ist teilweise um einige Hundert Prozent teurer als in der vergleichbaren „normalen“ Angelfischerei. Es gibt dafür keinen vernünftigen Grund.

Ähnlich wie Golf, Tennis, Jagd war und ist Fliegenfischen leider immer noch etwas Exclusives. Nur von Wenigen ausgeübt. Umgangs- und Fachsprache : Englisch. Warum ?


Erfreulicherweise zeichnen sich langsam Veränderungen ab : Es gibt Händler die durchaus gutes Gebrauchsgerät anbieten, Fliegenfischer die ihr Wissen kostenlos weitergeben und die Zielfische werden mehr. Klassische Fliegenfischerbeute wie Lachs, Forelle, Äsche werden ergänzt von Küstenfischen und zunehmend von Cypriniden.

Also ein Trend weg vom Snobismus ! Toll und sehr erfreulich.

Aber es beantwortet noch immer nicht die ursprüngliche Frage. Die Antwort -wenn man unbedingt antworten will oder muss - ist wohl nicht so leicht zu geben. Ich denke dass jeder von uns eine eigene Antwort hat. Allen gemein dürfte sein : Fliegenfischen ist einfach wunderbar.





 

 

 

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