Praktische Fischerei

Grau ist alle Theorie. Ein guter Spruch, also raus ans Wasser. Da tauchen aber bereits die ersten Fragen auf : Geht das an meinem Wasser? Wo soll ich hingehen? Wann ist die Chance einen Fisch zu fangen am Größten? Was fange ich zu welcher Jahreszeit?

Die Fragen die wir uns stellen können sind wohl noch um einiges umfangreicher. Aber es ist Theorie. Doch es schadet sicher nicht die eine oder andere Frage zu stellen und sich mit der Antwort auseinander zu setzen. Ich wage einen Versuch.

 

Geht das an meinem Wasser ?

Den Cypriniden mit der Fliegenrute auf die Schuppen zu rücken ist faktisch an jedem Gewässer möglich. Einige Voraussetzungen sollten aber gegeben sein: Die Gewässertiefe an der zu befischenden Stelle sollte maximal 2,00 Meter betragen. Bedenken Sie ,Sie fischen mit einer Schwimmschnur und ihre Köder soll bis auf schon, bis auf wenige Ausnahmen, in  

Grundnähe fischen. Selbst mit überlangen Vorfächern geht nicht mehr als maximal 2 Meter.

Cyprinidenfischen mit der Fliege ist an fast jedem Gewässer möglich. Es sollte allerdings einige Flachwasserzonen haben und die Sichtigkeit ins Wasser sollte so gut sein dass Sie sehen was sich so tut.  

 

Hier könnte was gehen

  

 

Wo soll ich hingehen ?

Ich hoffe Sie haben meinen Ratschlag mit den Pirsch - und Erkundungsgängen am Wasser befolgt. Fischen Sie dort wo Sie die Fische gesehen haben. Auf Verdacht einen Bereich abzuklopfen ist meist nicht besonders erfolgreich. Ich habe allerdings auch schon damit Fische gefangen.

In strömenden Gewässern ist das wo etwas leichter zu beantworten. Überall dort wo sich die Strömung verändert , der Gewässergrund ansteigt oder eine Kehre ist, lohnt sich ein Versuch.  

Etwas mehr Orts - oder Gewässerkenntnis erfordern stehende Gewässer.  Ob See oder Teich, sie haben mit Sicherheit irgendwo eine Flachwasserzone, die von den Fischen immer wieder zum Fressen aufgesucht wird. Diese Bereiche sollten wir finden und Sie befischen.

 

 

 

Gut,aber etwas viel Vegetation
Ein ertragreicher Platz

 

 

Wann ist die Chance am Größten ?

Am frühen Morgen. Gleich nach Sonnenaufgang. Nur, da sind die Wenigsten auf den Beinen. Fliegenfischer im Allgemeinen sind meist erst im Laufe des Vormittages am Wasser unterwegs. Denn in der Literatur kann man nachlesen , dass ein Insektenschlupf meist erst ab 10 Uhr zu erwarten ist. Das ist zwar richtig ,aber diese Weisheit gilt, wenn überhaupt, für Salmonidengewässer. Und dann ist die Beute selten schwerer als 0,5 Kilo. Auch bei den Salmoniden werden die wirklich großen Exemplare meist am frühen Morgen oder gegen Abend gefangen! 

Cypriniden hingegen haben eine sehr gute Beißzeit am frühen Morgen. Dann nochmals eine kurze Phase gegen Mittag und dann nochmals gegen Abend. Oberflächenorientierte Arten wie die Döbel, teilweise der Nerfling aber auch die Rotfedern sind mit unbeschwerten Mustern oder auch Trockenfliegen ganztägig zu fangen.

 

Am fühen Morgen bis etwa 9 Uhr  

Vormiitag: Beißflaute

Mittag: Von etwa 11Uhr bis ca. 13 Uhr

Nachmittag: Beißflaute ................. eventuell sonnen sich die Fische an der Oberfläche

Abend: Von etwa 17 Uhr bis zum Sonnenuntergang

 

Nehmen Sie diese Angaben nicht zu genau . Es sind für unsere Gewässer  ganz grobe Mittelwerte die sich je nach Monat, Wasserstand, Sichtigkeit und Wetter stark verschieben können. 

 

 

Was fange ich zu welcher Jahreszeit ?

Mit zunehmender Wassertemperatur werden die Cypriniden aktiver. Während Salmoniden bei etwa 16-19 Grad sich unwohl fühlen beginnt dort die Wohlfühltemperatur der Karpfenartigen.

Wenn etwa mitte April die Wassertemperatur die 12° überschreitet ist mit den ersten Cypriniden zu rechnen. Sie wechseln ganz kurz und äußerst vorsichtig in die durch die Frühjahrssonne erwärmten Flachwasserzonen. Die Wasserpflanzen sind zu dieser Zeit erst am antreiben und bieten noch keine Deckung. Meist sind große bis kapitale Döbel die ersten Fänge.

Wenn dann Anfang Mai fast alle Bäume ausgetrieben haben steigt die Wassertemperatur auf die Wohlfühltemperatur der Cypriniden. Nun ist fast alles was eine Flosse hat unterwegs. In dieser Zeit sind auserordentliche Fänge möglich.

Die Laichzeit der meisten Arten steht kurz bevor. Zum Zuge kommt nur wer kräftig ist und eine gute Konstitution hat. Die einzelnen Arten bilden teils riesige Schwärme und beginnen mit dem Laichgeschäft. Toll so etwas als stiller Beobachter sehen zu können. Selbst die scheuesten Exemplare sind nun blind für ihr Umfeld. Die nächsten Stunden und Tage sind ganz auf die Fortpflanzung konzentriert.

 

In dieser Zeit bitte nicht in diesen Laichbereichen fischen!

 

Mitte Juni sind dann wohl alle Arten mit der Fortpflanzung fertig und die großen Schwärme lösen sich sehr schnell auf. Jetzt gilt es die neuen Fressplätze zu suchen und dann mit Erfolg zu befischen. Die Wassertemperatur steigt langsam bis zum Scheitelpunkt.Die Karpfenartigen, aber auch die Graskarpfen dösen direkt unter der Wasseroberfläche in der Sonne, teilweise in kapitalen Größen. Lassen Sie sich aber nicht täuschen, bei der geringsten Störung gehen sie mit Getöse auf Tauchstation. Dann kann man nur warten. Eventuell einige Stunden.

Die beste Gelegenheit einen dieser Giganten an den Haken zu bekommen ist kurz bevor sich die Gruppen auflösen um zum Fressen zu schwimmen. Am Haken zu haben ist das Eine , den Fisch zu landen das Andere. Es ist sehr schwer einen z.B. Graskarpfen mit mehr als 15 Kilo mit einer Einhandrute zu drillen und ihn dann auch noch alleine zu landen. Mir ist es in mehr als 25 Jahren nicht öfter als 3mal gegönnt gewesen. Karpfen mit bis zu 10 Kilo sind mir bisher fast jedes Jahr einige gegönnt gewesen.

Ich habe das Gefühl, dass die Fisch in der zweiten Jahreshälfte scheuer sind. Speziell im September mit teilweise stark fallender Wassertemperatur helfen oft nur sehr dünne Vorfächer.

Aber man sollte es nicht übertreiben: 0,14 Millimeter sollte das dünnste Vorfach sein!

 

 

Eine schöne Artenvielfalt

Döbel mit knapp 60 cm
Döbel im Drill

1  

Die häufigsten Fehler

Fehler macht jeder und wahrscheinlich auch immer wieder. Meist ist man sich gar nicht bewusst, dass man etwas falsch gemacht hat. Vielleicht erkennen Sie sich in den nächsten Zeilen.

 

1.Schatten

Schatten egal wie und durch was er zustande kommt wird von allen Fischen als bedrohlich empfunden und in der Regel mit sofortiger Flucht quittiert. Vermeiden Sie also möglichst jede Art von Schatten den Sie selbst (z.B. Sonne im Rücken) oder Ihre Ausrüstung (Rute , Schnur beim Wurf , Vorfach ) hervorrufen. Ich musste lernen, dass gerade der Schatten der Fliegen-schnur ,aber auch der des Vorfaches von den Fischen sehr wohl wahrgenommen und mit einer Flucht quittiert wird.  

 

2. Schnelle Bewegungen am Wasser

Fische sind ständig in Alarmbereitschaft um möglichst nicht durch eine Bedrohung überrascht zu werden. Schnelle Bewegungen am Wasser  -für den Fisch wahrnehmbar- sind während der Pirsch am Wasser unbedingt zu vermeiden.   

 

3. Welchen Fisch anwerfen ?

Ein Beispiel:Sie pirschen am Wasser entlang und sehen einen Schwarm Döbel. Der Kopf ist gegen die Strömung gewandt. Welchen Fisch sollten Sie jetzt anwerfen? Den letzten im Schwarm. Nur dann haben Sie die Chance den Fisch vom Schwarm weg zu drillen. Und damit steigen die Chancen auf einen zweiten ganz gewaltig. Den ersten oder letzten des Schwarms anzuwerfen führt dazu dass alle im Schwarm mitkriegen dass Gefahr droht und sie werden flüchten.

 

4. Der Anhieb

Ich gehöre -bedingt durch meine fischereiliche Laufbahn - auch zu dehnen die einen zu kräftigen Anhieb haben. Da passiert es dann schon mal, dass ich ein 14er Vorfach sprenge. Sehr ärgerlich, aber es passiert leider doch hin und wieder.

Dabei reicht bei den kleinen und hoffentlich auch scharfen haken ein konsequentes anheben der Rute vollends um den Haken im Fischmaul zu fixieren. 

Wann den "Anhieb" setzen. Eine der schwierigsten Fragen. Denn die Anttwort entscheidet über gehakt oder verloren. 

 

Ein Zitat aus "Das große Buch vom Angeln":

Für jede Forelle die Sie beim Nippen an einer Fliege beobachten ,gibt es zehn andere , die unbeobachtet Nymphen oder andere wirbellose Tiere ,wie Krabben oder Köcherfliegen , fressen.

Die Techniken für den Fang dieser weit unten in Kalksteinflüssen fressenden Fische wurden von innovativen Anglern wie G.E.M. Skues und später Frank Sawyer eingeführt.

 

 

Die Methoden sind ziemlich gleich. Die Nymphe wird auf Höhe des Fisches gebracht und dann von ihm weggeführt. Dadurch wird der Fisch -auch alle Cypriniden- meist zum reflexartigen Anbiss animiert. Klingt sehr einfach, ist aber in Anbetracht eines schönen Fisches ein sehr schwieriges Unterfangen. Aber Übung macht den Meister! 

 

Ich würde behaupten wollen, dass es beim Cyprinidenfischen noch wesentlich mehr als 10 Fische sind, die die Nymphe im Maul hatten ohne dass wir auch nur das geringste Anzeichen an der Schnur oder einem eventuell angebrachten Bissanzeiger gesehen hätten.

 

Der Drill

Die kapitalsten Fehler werden sofort und zu Beginn des Drills begangen. Anstatt die lose Fliegenschnur sofort auf die Rolle zu spulen versuchen die Meisten die Fliegenschnur mit der linken Hand zu kontrollieren. Bei einer rasanten Flucht endet dies meist mit einem fulminanten Abriss.  

Also unbedingt sofort nach dem Anhieb die lose Fliegenschnur auf die Rolle aufnehmen und den Fisch immer über die Rolle drillen. Die hat in der Regel eine Bremse, nutzen Sie diese auch !

Zum Thema Bremse: Stellen Sie die Bremse weich ein und fummeln Sie während des Drills nicht am Bremsknopf. Warum? Nun, je mehr Schnur der Fisch beim Drill von der Rolle abzieht desto kleiner wird der Durchmesser der Restschnur auf der Spule und in diesem Maße nimmt der Bremsdruck zu. Das bedeutet die Bremswirkung wird immer stärker je mehr Schnur der Fisch nimmt. Bei den modernen "Large Arbor-Modellen" ist dies nicht so stark ausgeprägt wie bei den klassischen Modellen mit schmaler Spule. Trotzdem Bremse vor dem Fischen weich einstellen und während des Drills nicht verändern.   

 

 

Die Rute im Drill möglichst steil halten

 

 Ein weiterer Fehler gerade bei Anfängern ist es die Rute beim Drill nicht möglichst senkrecht zu halten. Oft zeigt sich das Bild ,dass die Fliegenschnur und die Rute eine Gerade bilden. Das ist etwa so ,als wenn man beim Auto auf die Stoßdämpfer verzichten würde. Ein fataler Fehler, denn die möglichst steil stehende Rute federt ähnlich wie ein Stoßdämpfer die Reaktionen des fliehenden Fisches. 

 

Die Landung 

Der Fisch wird über den Kescher geführt . Ja nicht umgekehrt. Und bei dieser Art der Fliegenfischerei ist ein robuster und einfacher Klappkescher den so beliebten Watkeschern allemal überlegen.

Ich persönlich verwende seit mehr als 10 Jahren einen Klappkescher den ich bei einem großen Händler  aus der Schweiz erworben habe. Robust, einfache Mechanik und ein tiefes Netz und auf knappe 1,50 Meter verlängerbar. Leider sind derartige Produkte am Markt rar. 

 

 

 

 

 

 

 

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